Praxis© Susanne Oehlschläger

Vorbeugung vor chronischer Krankheit aus der Sicht des Ayurveda

Dr.med. Ernst Schrott

(psa): Es ist viel die Rede von präventiven Maßnahmen zur Erhaltung der Gesundheit. Gesundheit ist im Ayurveda mehr als Abwesenheit von Krankheit. Gesund ist, wer körperlich, geistig und psychisch sich in einem dauerhaften Zustand von körperlichem Wohlbehagen und Glück befindet. Nach dieser Definition kann wahrscheinlich fast jeder noch etwas für seine Gesundheit tun. Was, das erklärt hier Dr. Ernst Schrott, Arzt und Autor zahlreicher Bücher zum Ayurveda.

Ayurveda hat einen umfassenden Blick auf den Menschen. Nicht nur der Körper, auch der Geist und die Seele werden in Augenschein genommen, denn auch sie wirken sich auf die Gesundheit aus. Wer glücklich ist, fühlt sich wohl. Wer sich wohl fühlt, fühlt sich gesund oder wer bereits krank ist, entwickelt zu seiner Krankheit eine positivere Einstellung, die den Heilungsprozess fördert oder die Krankheit erträglicher macht. Therapien und Medikamente zeigen eine bessere Wirkung. Deshalb ist es von Bedeutung nicht nur den Körper, sondern auch den Geist und die Seele zu pflegen.

Der Ayurveda zieht das soziale und familiäre Umfeld bei der Betrachtung des Menschen mit ein. Chronische Krankheiten von heute gehen Praxisärzten zufolge zum größten Teil auf Stressfaktoren zurück.
Für Körper und Psyche sind dies neben Belastungen, die oftmals das Arbeitsleben mit sich bringt vor allem der falsche Umgang mit der Tagesroutine, ein gestörter Tag-Nacht-Rhythmus, unregelmäßige Mahlzeiten und falsche Essenzeiten, Spannungen mit Kollegen oder im Privatleben, Bewegungsmangel, Mangel an geistiger Entspannung.

Der Ayurveda rät zu einer regelmäßigen Tagesroutine mit festen Essenzeiten und ausreichend Schlaf zur richtigen Zeit, regelmäßige körperliche Betätigung, Aufenthalt in der Natur und Meditation und Entspannung mit der Familie oder Freunden. Er gibt Verhaltenhinweise zu den verschiedenen Jahreszeiten und Lebensphasen von der Jugend bis ins Alter.

Was kann man selbst tun? Ganz wichtig ist gemäß dem Ayurveda, sich nicht zu überfordern. Schließlich will man ja entspannen und ausgleichen. Das heißt, wenn ungesunde Gewohnheiten zu ändern sind, langsam und im eigenen Maße angehen. Stellen sich erste positive Effekte ein, ist der nächste Schritt bereits einfacher.

Ayurveda räumt Entwicklungen und Wachstum die dafür nötige Zeit ein. Alles hat seine Zeit und Leben findet im Augenblick statt. Man sollte sich bewusst machen, dass jeder Augenblick unwiderruflich ist. Deshalb wird jedem Moment des Lebens eine große Wertschätzung entgegen gebracht. Entschleunigung im Alltag und Konzentration auf das Hier und Jetzt tragen zu mehr Ausgeglichenheit und besonnenem Handeln bei.

In der Tagesroutine empfiehlt der Ayurveda einen regelmäßigen Tagesablauf. Dr. med. Ernst Schrott, mehrfacher Buchautor und Ayurveda-Arzt sagt „Zu spätes Schlafengehen, anstrengende Tätigkeiten vor allem abends, unregelmäßige Essenzeiten und Über- oder Unterforderung privat wie auch beruflich sind die Ursachen für eine Vielzahl an Krankheiten mit denen es vor allem der Arzt in der freien Praxis zu tun hat. Sie bilden das Gros der Alltagskrankheiten.“

Zur Gesundheitsprävention empfiehlt er deshalb regelmäßige Mahlzeiten, wobei die Hauptmahlzeit mittags eingenommen werden sollte, da die Verdauung da optimal arbeitet. „Nichts stärkt so sehr die Nerven und schützt vor Stress wie ausreichend Schlaf und gesundes in Ruhe eingenommenes Essen“, so der Ayurveda-Arzt weiter. Abends sollte nur leicht gegessen werden, da die nachts ausgeschütteten Botenstoffe im Gehirn auf die Verdauung der Sinneseindrücke des Tages eingestellt sind und schweres Abendessen diesen Prozess maßgeblich behindert. Unausgeruhtheit und Appetitlosigkeit am Morgen können Hinweise auf ein falsches Essverhalten sein.

Seelische Zufriedenheit ist für die Gesundheit besonders wichtig. Ein lange mit sich getragener Konflikt blockiert körperliche und geistige Prozesse und verhindert ein tief empfundenes Glücksgefühl. Jedes Problem trägt seine Lösung in sich und sollte deshalb in Ruhe betrachtet und nach reifer Überlegung angegangen werden. Meditation und Stille können da Helfer sein, denn sie führen zum inneren Selbst. Der kurze Rückzug zum eigenen inneren Wesen stärkt den gesamten Organismus, räumt im Gehirn auf und gibt Raum für neue und kreative Gedanken. Diese entstehen, ohne dass sie gedacht werden und können zum Beispiel den Lösungsweg eines Problems anzeigen. Meditation bedeutet aber nicht sich hinsetzen und Grübeln. Im Gegenteil, es bedeutet Loslassen von Gedanken und Konzentration auf einen Laut oder ein persönliches Wort (Mantra). Auch auf den Atem achten, sich auf einen Gegenstand, zum Beispiel die Flamme einer Kerze, zu konzentrieren oder Achtsamkeit jeden Schritt beim meditativen Gehen setzen, können entspannende Wirkung haben. Es gibt viele Formen der Meditation. Die für einen persönlich am besten geeignete kann man in einem Meditationskurs bei einem erfahrenen Meditationslehrer erlernen oder man beginnt mit einem Buch oder Hörbuch und beginnt auf diese Weise die Suche nach dem persönlich passenden Meditationsstil.

Musik ist ein weiteres Harmonisierungs- und Heilmittel. Im Ayurveda wird es bei Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, Nervosität , Schlafstörungen und sonstigen Stresssymptomen eingesetzt. In Indien wurde diese Form der Heilkunst über Jahrtausende entwickelt und das Wissen des Gandharva-Ved, was soviel wie ewige Musik der Natur bedeutet, ist heute nur noch in wenigen Familien vorhanden.
Dahinter verbirgt sich eine ganze Wissenschaft, die Musik als Ausdruck der Ordnung und Harmonie des Universums erforschte. Es wurden Melodien komponiert, die wie Ragas den Tagesrhythmen oder wie Sandhis den Jahreszeiten mit ihren klimatischen und atmosphärischen Besonderheiten angepasst sind.

Der Ayurveda sieht als Bewegung Yoga vor. Yoga verfügt über ein umfassendes Wissen der Zusammenhänge von Bewegung auf körperliche, wie geistig-seelische Auswirkungen. Auf Yoga-Universitäten wird dies in Indien in einem mehrjährigen Studium vermittelt. Wer bei uns Yoga-Kurse besucht, sollte bei der Auswahl der Schule sich gut informieren. Yoga ist bei uns hauptsächlich als Bewegungskonzept bekannt, es wirkt aber, wenn richtig gelehrt, auf einer weitaus subtileren Ebene. In Indien ist Yoga ein spiritueller Weg, bei dem die Körperübungen (Asanas) lediglich einen Bereich von mehreren darstellen. Es verfügt über Asanas, wie das Sonnengebet, die den Kreislauf in Schwung bringen, aber auch über einzelne Übungen die sich ganz gezielt auf Organe oder die Hormonproduktion auswirken. Yoga ist ein probater Weg für die Erhaltung der körperlichen und geistigen Beweglichkeit, ganz besonders beugt es Steifheit und Gelenkerkrankungen vor. Auf einer feinstofflichen Ebene wirkt Yoga ausgleichend und harmonisierend. Nach einer guten Yoga-Stunde stellt sich tiefer innerer Frieden ein.
Dr. med. Schrott empfiehlt bei Stress auch Nahrungsergänzungsmittel, die im Ayurveda in den Bereich der Rasayanas, Verjüngungsmittel, fallen. Stress erhöht die freien Radikalen im Körper, die einen großen Anteil an allen schweren akuten und chronischen Krankheiten haben, unter anderem an Krebs. Rasayanas stärken das Immunsystem, das Gedächtnis, die Verdauungskraft, sowie körperliche und geistige Leistungsfähigkeit. Das von ihm empfohlene Amrit Kalash, ein Fruchtmus und Tabletten sind gegen ärztliches Rezept in der Apotheke erhältlich.
Eine weitere Möglichkeit Stress zu reduzieren ist Aromen und Düften einzusetzen. Düfte wirken ohne bewusste Interpretation direkt auf das lymbische System und werden vom Gehirn unmittelbar wahrgenommen. Deshalb ist ohne große Kenntnisse der Geruchsinn ein guter Indiaktor für den richtigen ausgleichenden Duft. Im Ayurveda gibt es Düfte, die auf der Lehre der drei Doshas beruhen und harmonisierend und ausgleichend wirken. Die eigene Nase sagt, welcher der Richtige ist. Zu achten ist bei der Qualität der Düfte, dass sie aus reinen Naturessenzen gewonnen sind.
Eine der wirksamsten ayurvedischen Maßnahmen zur Stressreduktion ist sicherlich die Pancha Karma Kur. Pancha bedeutet fünf und Karma bedeutet Handlung. Die fünf Handlungen umfassen verschiedene, vom Arzt individuell auf den Patienten abgestimmte Kuranwendungen, die von geschultem Personal und nach klassischen Richtlinien des Ayurveda durchgeführt werden. Die Anwendungen reinigen und heilen den Körper und gleichen psychisch aus. Eine gute Pancha Karma Kur führt den Kurgast zu sich selbst, kann chronische Krankheiten des Gelenk-, Verdauungs-, Atmungs- und Herz-Kreislaufsystems lindern oder gar heilen und hat eine nachhaltige Wirkung auf Körper und Psyche über Wochen bis Monate. Dafür sollten zwischen zehn Tagen und drei Wochen Zeit eingeplant werden. Wer es sich zeitlich und finanziell leisten kann, dem empfiehlt sich eine stationäre Kur in einem spezialisierten Ayurveda-Resort in Indien, Sri Lanka oder in Europa.

Weitere Informationen auf der Praxisseite von Dr. med. Ernst Schrott: http://www.vedamed.de

© presse service ayurveda – (psa) – 1.Jg. – Nr.5 / Mai 2009
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