Arztgespräch

Prabha BurhardtEin Gespräch mit Dr. Prabha Burkhard (B.A.M.S.)

(psa): Frau Dr. Burkhard, ohne Wasser gibt es kein Leben und Ayurveda wird übersetzt mit Wissenschaft vom Leben. Welche Rolle spielt Wasser im Ayurveda?

Prabha Burkhard: Wasser ist eines der grundlegenden Elemente im Ayurveda. Es besitzt die Qualitäten flüssig undverbindend. Es gibt dem Leben Energie, indem es Ausdauer und Durchhaltevermögen gibt. Es hat kühlende, reinigende, verjüngende, befriedigende Eigenschaften und ist nötig für die Verdauung und Ausscheidung. Es besänftigt die Gefühle und unterstützt das Herz. Wasser reinigt den Körper und frischt ihn von innen nachaußen auf. Wasser existiert im Körper in vielen verschiedenen Bereichen, so zum Beispiel in den Zellen, im Blutplasma, im Blutserum, im Speichel, im Nasensekret, in der Tränenflüssigkeit und im Gehirnwasser. Es schützt die Körperschleimhaut und „schmiert“ die Gelenke. Ohne Wasser gibt es keine lebenden Zellen. Es ist verbunden mit dem Geschmackssinn. Ohne die Präsenz von Wasser könnten wir nichts schmecken. Im Ayurveda ist Wasser die flüssige Form von Bewusstsein und steht geistig für die Emotionen.  

(psa): Im Ayurveda unterscheidet man verschiedene Doshas, also Bioenergien oder Konstitutionstypen. Welches Dosha ist durch die Eigenschaften von Wasser dominiert und wie zeigt sich das?

Prabha Burkhard: Pitta- und Kapha-Konstitution haben Wasser-Anteile. Pitta wird dominiert vom Feueranteil, Wasser ist eher kalt in seiner Eigenschaft und reduziert also die Hitze desFeuers. Kapha hat einen Mangel an Feuer, was man mit warmem oder heißem Wasser ausgleichen kann. Vata ist kalt und trocken und braucht mehr Flüssigkeits- oder Wasseranteile. Den größten Wasseranteil besitzt Kapha, was sich am Körpergewicht und an der Neigung zu Flüssigkeitsansammlungen zeigt, aber im Positiven auch in einer guten Versorgung der Gelenke mit Gelenkschmiere, sowie an der Haut und den Haaren.  

(psa): In Deutschland werden therapeutische Behandlungen mit Wasser vor allem mit der von Pfarrer Kneipp entwickelten Methode assoziiert. Gibt es im Ayurveda eine auf Wasser beruhende Therapie?  

Prabha Burkhard: Durchaus, Swedana oder auf Deutsch Schwitzbad. Mit oder ohne Kräuterzusätzen ist es eine der lindernden Therapien im Ayurveda. Einer ayurvedischen Ölmassage folgt immer ein Swedana, entweder als Kräuterbad oder als Dampfbad. Swedana vermindert Steife in den Gelenken und Muskeln, entfernt Toxine von der Haut, aus dem Blut, den Muskeln und Fettzellen. Es wirkt gegen Körperschwere, beseitigt Trägheit, Müdigkeit und unterstützt die Leistungsfähigkeit. Gesicht und Kopf werden vor Swedana geschützt. Zuviel Hitze auf dem Kopf, schwächt die Sinnesorgane.

Eine sehrwirksame Behandlung ist auch Nasja. Die Naseneinläufe mit warmem Wasser reinigen die Nasennebenhöhlen.

Außerdem gibt es im Ayurveda Inhalationen mit Wasserdampf, Einläufe mit warmem Wasser zur Reinigung des Rektums oder auch der weiblichen Geschlechtsorgane.

Allgemein gilt, dass Bäder für physische Stärke sorgen und Leben verlängernd wirken, dies auch durch die Stärkung der Verdauungskräfte und ihre reinigende Wirkung. Sie stärken außerdem die Sexualkraft und die Lebensfreude und lindern so auchErschöpfungszustände.

(psa): Gibt es imAyurveda so etwas wie eine Reiztherapie mit Wasser?  

Prabha Burhardt: Reiztherapie wird im Ayurveda nicht empfohlen. Ich hatte zuvor von Swedana gesprochen. Das ist keinesfalls dasselbe wie Sauna. Sauna bedeutet trockene Hitze und danach Abkühlen, auch mit kalten Güssen. Das schockt den Körper und verursacht eine Vatastörung.

(psa):... und wieist es mit heißem Duschen?


 Prabha Burhardt: Wasser spielt im Ayurveda natürlich auch bei der täglichen Körperhygiene eine große Rolle. Beim Duschen empfiehlt Ayurveda kein heißes Wasser über den Kopf laufen zu lassen, um die Sehstärke und das Haar in guter Verfassung zu erhalten.
 
(psa): Gibt es ayurvedische Behandlungen, die sich mit balneologischen kombinieren ließen?

Prabha Burhardt: Eines der Prinzipien, zum Beispiel bei einer Panchakarma-Kur, ist die tiefe, innere und äußere Reinigung. Dafür sollen alle Körperkanäle, Poren usw. geöffnet werden. Dies wird überwiegend durch andauernde Wärme erreicht. Schockt man den Körper durch plötzliche Kälte, so schließen sich beispielsweise die Poren. Dies ist auch der Grund, weshalb man während einer Ayurveda-Kur nicht im Meer baden sollte oder seriöse Ressorts keinen Swimming-Pool anbieten.

Natürlich haben auch die Anwendungen nach Kneipp ihre absolute Berechtigung und großen Erfolge. Nur sind der Hintergrund und die Methoden grundsätzlich verschieden, und es muss je nach Befinden und Konstitution der Person entschieden werden, welche Methode geeigneter ist. Eine Kombination ist meines Erachtens nicht angeraten.

(psa): Die Ernährung spielt im Ayurveda eine besonders wichtige Rolle. Welchen Platz nimmt dabei das Trinken von Wasser ein?

Prabha Burhardt: Das Trinken von Wasser hat dieselbe Wichtigkeit, wie das Essen. Es gibt nicht nur Energie und macht den Körper geschmeidig, sondern reinigt ihn zugleich. Das Trinken von warmem Wasser ist im Ayurveda eine Therapie zum Ausschwemmen von Toxinen. Es wird empfohlen mindestens acht Glas Wasser, über den Tag verteilt, zu trinken. Die Wirkung zeigt sich in der Förderung der Verdauung, Unterstützung des Feuchtigkeitshaushalts der Haut und des Körpers und in der Ausscheidung von Toxinen. Meistens wird es mit Kräutern und Gewürzen, entsprechend der Konstitution, gekocht. Personen mit einer Kapha-Konstitution, dominiert vom Erd- und Wasserelement, haben einen langsam arbeitenden Metabolismus und sind anfällig für Störungen der Schleimhäute und der Bronchien. Deshalb ist es für sie ratsam, warmes Wasser zu trinken. Hingegen Personen mit einer Pitta-Konstitution, die vom Feuerelement dominiert sind, sollten das gekochte Wasser auf Zimmertemperatur herunter kühlen. Wiederum Vata dominierte Personen, in denen vorherrschend Kühle und Raum wirken, und die zum Frieren und zu Trockenheit neigen, können das Wasser heiß trinken.

(psa): Es ist immer wieder zu lesen, dass man in der Früh nach dem Aufstehen zunächst ein Glas warmes Wasser trinken sollte. Wird dies auch im Ayurveda empfohlen?

Prabha Burhardt: Ayurveda klärt über einen gesunden Lebensstil auf. Regelmäßigkeiten sind wichtig im Leben. Ich empfehle meinen Patienten stets Regelmäßigkeit oder Routine in ihr Leben einkehren zu lassen und eine der ersten Routinen sollte es sein, dass sie in der Früh nachdem Aufwachen ein Glas warmes Wasser trinken. Es ist das beste Mittel die Darmtätigkeit anzuregen und Toxine, ayurvedisch bezeichnet man sie mit „Ama", auszuscheiden. Der heutige Lebensstil und die Essgewohnheiten verursachen eine Zunahme an Vatastörungen, wie Obstipation und Austrocknung. Das morgendliche Glas warmes Wasser ist ein gutes Mittel um Obstipation entgegen zu wirken. Es ist wirksamer als Kaffee oder Tee zu trinken, welche die Leberfunktion stören, die Körpertemperatur und Pitta erhöhen.  

(psa): Wieviel Flüssigkeitszunahme am Tag wird im Ayurveda empfohlen?

Prabha Burhardt: Ayurveda empfiehlt maximal acht Gläser Flüssigkeit, also ungefähr zwei Liter am Tag. Zu viel Trinken führt zu Kaphastörungen. Das können zum Beispiel Wasseransammlung im Körper oder Ödeme durch eine Störung der Nierentätigkeit oder Ansammlung von Wasser im Bauchfell sein.

(psa): Die Meinungen, ob und wie viel man zum Essen trinken soll, gehen weit auseinander. Was sagt dazu Ayurveda?  

Prabha Burhardt: Das Trinken von Wasser vor den Mahlzeiten führt zur Reduktion von Appetit und Gewicht. Das Trinken von Wasser während den Mahlzeiten verlängert die Verdauungstätigkeit, weil es die Verdauungsenzyme verdünnt. Im Ayurveda wird empfohlen ein Glas Wasser am Ende der Mahlzeit zu trinken. Es spült die Speiseröhre und unterstützt die Verdauung und Nahrungsaufnahme. Nach einer Mahlzeit, die Weizen, Gerste, Joghurt oder Honig enthielt, sollte das Wasser Raumtemperatur haben. Wenn das Essen jedoch reich an Kohlenhydraten oder Stärke war, wird zu warmem Wasser geraten. Im Ayurveda wird auch davor gewarnt, zuviel am Abend zu trinken, da es die Nieren sehr beschäftigt und im Körper zurückgehalten wird und das stört einen tiefen und erholsamen Schlaf.  

(psa): Bieten Sie Seminare zum Thema Ayurveda und Wasser an?  

Prabha Burhardt: Im wunderschönen RoSana, direkt umflossen von der Mangfall, bieten wir alle ayurvedischen Behandlungen und Kuren an. Ab April bieten wir auch Kurse für eine solide Ausbildung zum Ayurveda-Therapeuten/In an. In meiner Praxis in München können Patienten alle authentischen Behandlungen des Ayurveda genießen, beginnend natürlich immer mit einer gründlichen Konstitutionsanalyse, damit für die Behandlungen das richtige Öl und alles weitere ausgesucht werden kann.

 

Zur Person:
Dr. Prabha Burkhard studierte von 1986 bis 1992 am Ayurveda-College der Universität Trivandrumin Kerala, Indien. Das Studium umfasst u.a. Anatomie, Chirurgie, Gynäkologie, Pädiatrie, Toxikologie, Physiologie, Psychologie; im Nebenstudium eignete sie sich Kenntnisse in Homöopathie an. Das Studium der alten Texte erfolgte ausschließlich in Sanskrit, der alten Gelehrtensprache der indischen Wissenschaft.

Ihre Studien schloss sie als B.A.M.S. (Bachelor of Ayurvedic Medicine and Surgery) und mit Promotion ab.

Sie arbeitete sieben Jahre in staatlichen Krankenhäusern, arbeitete in angesehenen Ayurveda-Instutionen in Kerala und baute eine eigene Praxis auf. Seit sechs Jahren führt sie ihre Praxis in München.

Wichtig ist ihr die Vermittlung und Anwendung des traditionellen Ayurveda ohne die oft modernen Einflüsse, wie sie der europäische Ayurveda-Tourismus fordert.


Anmerkung der Redaktion:

In Deutschland darf als Arzt nur bezeichnet werden, wer über eine Approbation in Deutschland verfügt. Ayurveda-Ärzte aus Indien oder Sri Lanka, die in ihrem Herkunftsland ein Studium zum Ayurveda-Arzt absolviert und abgeschlossen haben, tragen den Titel B.A.M.S. (Bachelor of Ayurvedic Medicine and Surgery). Bei uns werden sie auch als Ayurveda-Spezialist bezeichnet.

Die hierzulande fehlende staatliche Anerkennung von Ausbildungen im Ayurveda führt oftmals zu Missverständnissen, denn es gibt private Anbieter von Kursen und Seminaren zu verschiedenen Ayurvedabehandlungen, die ihren Teilnehmern auch ohne medizinische Vorkenntnisse Zertifikate oder Diplome mit der Bezeichnung Ayurveda-Spezialist ausstellen.