Arztgespräch

 

© Susanne OehlschlägerDie Auswirkung des Sommerklimas auf unser Wohlgefühl.

Ein Gespräch mit Aruna Bandara (B.A.M.S.)

 

Der Ayurveda ordnet den gesamten Kosmos in die drei Bioenergien Vata, Pitta und Kapha. Vata wird als kühl, Pitta als warm und heiß, Kapha als eher kühl bezeichnet. Biorhythmen, wie der Zyklus der Jahreszeiten aber auch der Tages- und Nachtzyklus wird diesem Prinzip gleichermaßen unterworfen. Der Ayurveda gibt Empfehlungen, wie sich die Konstitutionstypen mit Blick auf die Jahreszeiten in der Balance halten können.


Die Jahreszeiten üben Einfluß auf die ihnen zugeordneten Doshas. So werden der Herbst und das Frühjahr mit ihren rauen Stürmen und eher kühlen Temperaturen dem Vata-Dosha zugeordnet. Der Sommer mit seinen höheren und wärmenden Sonnenstunden und seinen warmen bis heißen Tagen und Nächten wird Pitta und der Winter, dem einst die Zeit der Winterruhe zugeordnet wurde, trägt vor allem Kapha-Eigenschaften.

 

(psa): Welche Auswirkung hat unsere Sommerzeit auf die drei Dosha-Typen?

Aruna Bandara: Der Sommer wird von der Sonne bestimmt und damit dominiert Pitta. Dies im Auge behaltend, fühlen sich Konstitutionstypen mit einem dominierenden Vata-Anteil im Sommer motiviert, da durch das wohltuende Sonnenlicht mehr Serotonin ausgeschüttet wird. Der Sommer ist zudem nicht so trocken, wie die Winterzeit, in der sie mit ihrer zur Trockenheit neigenden Haut und ihrer Kälteempfindlichkeit schmerzempfindlich reagieren. Für Vata dominierte Konstitutionstypen ist der Sommer also die Wohlfühlzeit. Pitta dominierte Konstitutionstypen, die sowieso schon gut mit Wärme ausgestattet sind, mögen keine Hitze. Zwar mögen sie die Sonne, aber bleiben lieber im Schatten. Kapha dominierte Konstitutionstypen genießen die Sommersonne am liebsten morgens oder abends. Die Mittagshitze meiden sie eher. Wir sollten aber beachten, dass die Konstitutionstypen in Reinform nicht vorkommen. Es handelt sich immer um Mischformen, bei denen aber ein Dosha überwiegen kann.

 

(psa): Ein warmer Sommer ist also das ideale Klima für den Vata-Typus?

Aruna Bandara: Ja, das kann man so sagen.

 

(psa): Wie wirkt sich ein trocken-heißes und wie ein feucht-heißes Klima auf die drei Konstitutionstypen aus?

Aruna Bandara: Zur Temperatur habe ich mich ja schon zuvor geäußert. Hinsichtlich feuchtem beziehungsweise schwülem oder trockenem warmen Wetter lässt sich feststellen, dass Vata feuchtes Klima mag. Kapha und Pitta zieht trockenes Wetter vor.

 

(psa): Welche Ernährung empfehlen Sie einem Pitta-Typ, wenn es heiß ist und wie sollten sich bei gleicher Temperatur Vata oder Kapha-Konstitutionen ernähren?

Aruna Bandara: Pitta sollte besonders viel trinken und weniger scharf essen. Aloe Vera Saft spendet viel Feuchtigkeit, Suppen und Gerichte aus Mungbohnen unterstützen die Balance von Pitta im Sommer. Pitta verträgt Salat, aber nur mittags, nicht am Abend. Wegen der Frische sollte er aus der Region stammen. Kapha hingegen kann ruhig mal scharf essen, sollte aber Fleisch und Käse meiden. Wohltuend für Kapha sind mediterrane Kräuter. Generell ist hinzuzufügen, dass in der warmen Jahreszeit der Körper mehr entgiftet. Alkohol sollte also möglichst gemieden werden.

 

(psa): Darf ein Pitta-Typ wenn es heiß ist Eisgekühltes trinken oder essen?

Aruna Bandara: Wenn es draußen sehr heiß ist, signalisiert der Körper das Bedürfnis nach etwas Kühlem. Leicht unter Raumtemperatur ist verträglich. Zu kalt ist schlecht für die Magenschleimhaut, es trägt zur Übersäuerung bei. Eine natürlich kühlende Wirkung auf den Körper haben zum Beispiel Melonensaft, Aloe Vera Saft, Apfelsaft, Bananensaft oder auch Avocadosaft.

 

(psa): Gibt es generelle Verhaltensregeln bei heißem Klima für Pitta, Vata und Kapha?

Aruna Bandara: Zunächst ist der Sommer positiv für jeden. Wir sollten darauf achten, dass wir Positives erleben und fühlen. Monotypen existieren ja fast nicht, also sollten wir darauf hören, was uns unser Körper sagt. Grundsätzlich ist es für alle Konstitutionen ratsam, im Sommer mehr zu trinken. Durch das stärkere Schwitzen ist der Feuchtigkeitsverlust höher. Zugleich werden dadurch mehr Mineralien ausgeschieden. Das kann durch gemäßigt höhere Zugaben des an Mineralien reichen Steinsalzes ausgeglichen werden. Das in Deutschland üblicherweise verwendete Kochsalz, das nur aus Natrium und Chlorid besteht, schafft diesen Ausgleich nicht. Den Sommer draußen genießen, sich viel in der Natur aufhalten und sich an ihrer Schönheit erfreuen, tut allen gut. Wer unter Pollenflugallergien leidet, dem kann ein morgendliches raumtemperiertes Glas Wasser mit einem viertel Teelöffel Kurkuma Linderung verschaffen. Wer Yoga praktiziert kann das im Sommer im Freien tun. Für Pitta-Typen ist im Sommer Sport am Morgen, wenn es noch kühler ist, empfehlenswert.

 

(psa): Ist Kokosöl zur äußerlichen Anwendung im Sommer für alle Konstitutionstypen zu empfehlen?

Aruna Bandara: Kokosöl ist aufgrund seiner kühlenden Wirkung grundsätzlich geeignet für Pitta dominierte Konstitutionen, im Sommer kann es auch bei Vata-Dominanz verwendet werden. Kapha hat von Natur aus eine kühle und ölige Hautbeschaffenheit. Im Sommer darf hier Senföl verwendet werden, das die Durchblutung fördert.

 

(psa): Was empfiehlt der Ayurveda als Sonnenschutz?

Aruna Bandara: Das Wissen des Ayurveda stammt ja aus Asien. Asiatische Menschen haben von Natur aus einen anderen Hautschutz als Europäer. Heute schützen aber auch Asiaten ihre Haut. Dazu benützen sie Pindaöl, Aloe Vera Cremes, Kleeschlamm, Triphalapuder oder Mungbohnen, die sie eine Stunde lang in Wasser einweichen, dann im Mixer zerkleinern und auf die Haut auftragen. Sonnenbestrahlung beeinflusst die Melanin Struktur in der Haut und kann bei zu viel zu Hautkrebs oder Sonnenallergie führen. Helles Sonnenlicht kann, vor allem bei Pitta, in den Augen brennen oder sie ermüden. Da hilft ein einfaches Mittel, das früher auch in Europa bekannt war, das Auflegen von Gurkenscheiben. Es kühlt die Augen.

 

(psa): Herr Doktor Banadara, vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führte Iris Hüttner

 

Zur Person:

Aruna Bandara studierte Medizin und Ayurveda-Medizin an der Universität in Colombo und schloss das fünfjährige Studium mit dem Grad des B.A.M.S. (Bachelor for Ayurveda Medicine and Surgery) ab. Danach war er ein Jahr lang als Ayurveda-Arzt und Internist in einem Ayurveda-Krankenhaus tätig. Es folgten eine eigene Praxis und die Tätigkeit als Arzt im Ayurveda-Zentrum Paragon. 1988 zog ihn das Interesse an der deutschen Kultur nach Deutschland, Kurz danach erreichte ihn das Angebot des Hotels Vier Jahreszeiten am Schluchsee, dort ein Ayurveda-Zentrum aufzubauen. Dem folgte zwei Jahre später der Aufbau der Ayurveda-Abteilung im Hotel Radisson SAS Resort Wutzschleife, das mit der Wellness Aphrodite ausgezeichnet wurde. Im Jahr 2005 erhielt er mit dem aruna Centrum für authentischen Ayurveda in Bad Feilnbach die Gelegenheit ein Ayurveda-Zentrum ganz im Stile Sri Lankas zu verwirklichen. Aruna Bandara ist Buchautor von „Ayurveda für die Seele“.

 

Anmerkung der Redaktion:

In Deutschland darf als Arzt nur bezeichnet werden, wer über eine Approbation in Deutschland verfügt. Ayurveda-Ärzte aus Indien oder Sri Lanka, die in ihrem Herkunftsland ein Studium zum Ayurveda-Arzt absolviert und abgeschlossen haben, tragen den Titel B.A.M.S. (Bachelor of Ayurvedic Medicine and Surgery). Bei uns werden sie auch als Ayurveda-Spezialist bezeichnet. Die hierzulande fehlende staatliche Anerkennung von Ausbildungen im Ayurveda führt oftmals zu Missverständnissen, denn es gibt private Anbieter von Kursen und Seminaren zu verschiedenen Ayurvedabehandlungen, die ihren Teilnehmern auch ohne medizinische Vorkenntnisse Zertifikate oder Diplome mit der Bezeichnung Ayurveda-Spezialist ausstellen.


Quelle: Presse Service Ayurveda