Einführung

Pulsdiagnose im AyurvedaKurze Einführung in Ayurveda – Die Wissenschaft vom Leben

Ayurveda gilt als das älteste ganzheitliche Heilsystem der Menschheit und ist erstrangig als ein Lebensstil und ein präventives medizinisches System zu verstehen, das den Menschen gesund erhält und Krankheit zu vermeiden sucht. Ist eine Erkrankung eingetreten, bietet Ayurveda, vor allem bei chronischen Leiden, vielseitige Hilfe. Dabei wird stets der Mensch als ganzheitliches Individuum behandelt und nicht allein die Krankheit fokussiert.

Was bedeutet „gesund“ im Ayurveda?

Im Ayurveda bedeutet gesund sein mehr als die Abwesenheit von Krankheit. Nach der Sushruta Samhita, einem der bedeutendsten traditionellen Ayurveda-Kompendien inder Gelehrtensprache Sanskrit, das noch heute die Grundlage für Ausbildung und Heiler bildet, ist man dann gesund, wenn die Doshas im Gleichgewicht sind, ein guter Appetit vorhanden ist, Körpergewebe und Stoffwechselprodukte ausgewogen sind und Bewusstsein, Geist und Sinne voller Glückseligkeit sind. Weniger bedeutet im Ayurveda, nicht gesund zu sein!

Was unterscheidet Ayurveda von unserer Hochschulmedizin?

Ayurveda rückt den gesamten Menschen in das Blickfeld. Dazu gehören Körper und Geist als eine Einheit, die Seele, individuelle Lebensumstände und die Umwelt. Die Basis bildet die Konstitution bei Geburt (Prakriti), die der Arzt ermittelt, und die drei Bioenergien (Doshas) Vata, Pitta und Kapha in ihrem dem Individuum entsprechenden Gleichgewicht. Sie finden sich im gesamten Organismus, in der Körpergestalt und äußerlichen Merkmalen, sowie im Verhalten wieder.

Aufgrund der Lebensumstände entfernen sich viele Menschen von ihrem ursprünglichen Gleichgewicht. Dies führt zu Befindlichkeitsstörungen bis hin zu ernsthaften Erkrankungen. Mittels verschiedener Verfahren, unter anderem Zungen- und Pulsdiagnose, ermittelt der Ayurveda-Arzt unter Einbeziehung der Symptome das Ungleichgewicht der Doshas. Heute werden in Krankheitsfällen durchaus Blutwerte oder andere schulmedizinischen Befunde – bis hin zur CT – hinzugezogen.

Nach der Diagnose erfolgt die Einleitung von Maßnahmen zur Wiedererlangung der Balance der drei Doshas. Diese bestehen unter anderem aus Konstitutionstyp gerechter Ernährung, Bewegung und Meditation, Ölbehandlungen, Schwitzbädern, medikamentösen Verabreichungen und gegebenenfalls einer Verjüngungs- (Rejuvenation) oder Entgiftungskur (Panchakarma).

Worauf gründet die steigende Beliebtheit von Ayurveda-Medizin?

Tag und Nacht sollst Du um den Kranken besorgt sein, mit ganzem Herzen und ganzer Seele.
(Charaka Samhita)

Ayurveda ist eine von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) anerkannte Naturmedizin, die sich des ganzen Menschen in seiner Individualität annimmt. Ein Ayurveda-Arzt nimmt sich Zeit für seinen Patienten. Eine ayurvedische Diagnose bleibt für den Hilfe Suchenden nachvollziehbar. Mit ihr erfährt er eine einleuchtende Beschreibung seiner Person aus einer ihm bis dahin unbekannten Perspektive, jener der Doshas. Arzt und Patient arbeiten zusammen. Die Erklärungen und die Logik erleichtern es dem Patienten daran mitzuwirken, sich seiner ursprünglichen Konstitution wieder anzunähern. Allein schon mit der für seinen Konstitutionstypus richtigen Ernährung ist es ihm möglich, selbst viel zu seiner Gesundheit beizutragen und so Krankheit möglichst zu vermeiden.

Was ist eine Ayurveda-Massage?

Ayurveda-Massagetechniken sind vielseitig. Es gibt entspannende, energetisierende, vitalisierende, und auch entspannend-vitalisierende Massagen. Bei der gewählten Technik kommt es darauf an, was das Ziel ist, aber auch ob aus dem Körper ihn belastende Stoffe ausgeleitet oder der Körper genährt werde sollen.

Es gibt Massagen die flächig ausgeführt und solche, die auf Vitalpunkte abzielen. Darüber hinaus gibt es viele Streich- und Drucktechniken. Eine Rolle spielt zudem, ob die Massage langsam oder schnell ausgeführt wird. Alles hat seine besondere Wirkung und diese Zusammenhänge muss der Masseur oder Therapeut kennen.

Ein Beispiel ist die spezielle Massagetechnik, die aus dem Kalari, einer antiken Kampfsportart Südindiens, stammt. Das Wissen um Kalari war geheim. Die Ausbildung in dieser Technik dauert traditionsgemäß sehr lange und wurde noch bis vor kurzem nur ausgewählten Schülern zugänglich gemacht. Das hat seine Gründe, denn neben den Vitalpunkten gibt es Mortalpunkte– beide muss der Masseur kennen und genau zu unterscheiden wissen.

Traditionell ist das Erlernen des Kampfsports Voraussetzung für die Massageausbildung. Oftmals wird auch noch Yoga bis zur Lehrreife verlangt und erst dann ist die Vorbereitung für die eigentliche mehrjährige Ausbildung in der Massagetechnik gegeben. Angesichts einer solchen Ausbildung, muss gefragt werden, wie viel wirkliche Kalari-Massage wohl ein westlicher Gast bekommt, wenn er an einen Masseur gerät, der ein paar Wochenend-Kurse absolviert hat?

Ayurveda Masseure und Therapeuten müssen über Produktkenntnisse verfügen. Öl ist nicht gleich Öl. Es kommt im Ayurveda maßgeblich darauf an, welche Kräuter in den Ölen enthalten sind. Es gibt Öle, die für Wellnessbehandlungen völlig ausreichen, aber sobald mehr beabsichtigt ist, nicht mehr genügen. Es gibt Öle, die für alle drei Konstitutionstypen geeignet sind und es gibt solche, die das zu ausgeprägte oder zu schwache Dosha ausgleichen helfen.

Es muss nicht einmal unbedingt Öl sein. Es gibt Massagen mit Kräuterpulvern. Im Wellness mögen sie einen Peelingeffekt haben, den sie auch bei medizinischen Behandlungen beibehalten. Sinn einer solchen Trockenmassage mit gemahlenen Kräutern ist es die Aufnahmefähigkeit der Haut für das nachfolgende Öl zu erhöhen. Außerdem gibt es Massagen mit völlig unterschiedlich gefüllten Leinensäckchen – je nach Wirkung kann es sich um Reis gekocht in einem Kräutersud oder in Milch handeln, oder es sind reine Kräuterauszüge, mit oder ohne Öl.

Wie kann sich der Verbraucher vor unseriösen Angeboten schützen?

Vor der Buchung von Ayurveda-Anwendungen sich informieren. Am besten ist es, sich von einem Ayurveda-Arzt seinen Konstitutionstyp und den momentanen Zustand bestimmen lassen. Von großem Vorteil ist es, wenn der Arzt bereits Anwendungen und eventuell eine Ayurveda-Einrichtung empfiehlt. Wenn diese Möglichkeit nicht besteht, vor der Buchung eines Anwendungstermins nach der Ausbildung der behandelnden Person fragen. Die hygienischen Verhältnisse der Einrichtung prüfen. Wenn der Verdacht besteht, dass Öle mehrfach verwendet werden, sollte der Termin einer anderen Einrichtung gebucht werden. Darauf achten, dass das zur Anwendung kommende Öl für den Konstitutionstyp geeignet ist und dass es mindestens auf Körpertemperatur erwärmt appliziert wird. Nicht jedes Basisöl ist für jede Konstitution geeignet. Ruhig danach, nach der Marke und dem Lieferanten des Öls fragen. Es müssen auf alle Fälle Öle verwendet werden, die frei sind von Pestiziden oder anderen schädlichen Inhaltstoffen.