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Ayurveda beim Round Table der Europäisch-Indischen Handelskammer im Europäischen Parlament

Im Europäischen Parlament in Brüssel trafen sich auf Einladung der Europäisch-Indischen Handelskammer (EICC) in Anwesenheit von Martin Terberger, Vorsitzender der Unit Pharmazie in der EU-Kommission, Experten aus Politik, Industrie, Wirtschaft und Verbänden zu einem Informationsaustausch über die Marktentwicklungen und gesetzlichen Rahmenbedingungen für Gesundheits- und Pharmaprodukte innerhalb der EU. Auch Ayurveda spielte eine Rolle.
Am 22. September 2009 fand im Europäischen Parlament ein Expertengespräch zwischen indischen und europäischen Vertretern aus dem Gesundheitsbereich und der Pharmaindustrie statt. Anlass des eintägigen Gesprächs, das unter dem Ehrenvorsitz von Dr. Christian Ehler, stv. Vorsitzender der CDU/CSU-Gruppe im Europäischen Parlament stattfand, waren vor dem Hintergrund gemeinsamer Interessen am jeweiligen Pharmamarkt die Stärkung des europäisch-indischen Dialogs.

Bei einem informellen Treffen am Vorabend beruhigte der Indische Botschafter Belgiens und der EU, Dr. Jaimini Bhagwati, die Teilnehmer aus EU-Ländern mit dem Hinweis, dass Indien seine Lektion, die europäischen Gesetze zu beachten, im eigenen Interesse einer nachhaltigen Zusammenarbeit verstanden hätte. Er unterstrich das enorme Wachstum auf den heimischen Binnenmärkten und hob mit eindrucksvollen Vergleichen das Wachstum in der Telekommunikation hervor, das in nur einem Monat einen Marktzuwachs in der Größe des gesamten Marktvolumen Belgiens oder in 16 Monaten jenes Deutschlands vorzuweisen habe. Im Pharmabereich liege die Stärke Indiens in der Kräutermedizin, die erhalten bleiben müsse, allein schon zur Versorgung der ärmeren Bevölkerungsschichten. Niranjan Deva, Ehrenmitglied der EICC und Vertreter des Europäischen Parlaments, sprach sich für eine Wahlfreiheit durch den Verbraucher im Bereich von Pharmaprodukten aus. Dies solle für europäische Produkte auf dem indischen Markt gelten und unter der Einhaltung der internationalen Urheberrechte umgekehrt für indische Produkte in Europa.
Prof. Barbara Sickmüller, Mitglied der Geschäftsführung des Bundesverbands Pharmazeutischer Industrie unterstrich, das Interesse am indischen Markt seitens der deutschen Pharmaindustrie, wobei es sich oftmals um Familienunternehmen handle. Dasselbe gelte für die indischen Pharmabetriebe. Sie forderte Inspektionen für den GMP Standard (Good Manufactured Products) auf beiden Seiten, und schlug vor, hierbei die europäische Zulassungsbehörde für Arzneimittel (EMEA) einzubeziehen.
Raghuveer Kini, Präsident des indischen Exportrates für die Pharmazeutische Industrie, Pharmexcil, unter dessen Mitgliedern sich mehr als 2700 exportierende Pharmaunternehmen befinden, sprach von einem Wachstum von 20 bis 25 Prozent auf dem indischen Pharmamarkt.

Trotz einer freundschaftlichen Atmosphäre wurden am nächsten Tag beim Round Table die doch sehr unterschiedlichen Positionen und Sichtweisen der Experten deutlich. Ayurveda war mit zwei Beiträgen vertreten.

Ehler bezeichnete die Produkte der traditionellen Kräutermedizin als sicher. Dies könne aber nicht auf  Produkte bezogen werden, die aus Afrika oder Indien stammten.
Martin Terberger, Vorsitzender der Unit 2 (Pharmazie), General Direktorium in der EU-
Kommission, zuständig für Unternehmen und Industrie, sprach davon, dass beim Europäischen Parlament über Kräutermedizin eine Vorlage liege. Die Agentur für globale Forschung arbeite an Biomarkern und Biotechnologie. Er erinnerte die indischen
Konferenzteilnehmer daran, hinsichtlich klinischer Studien das Protokoll von Helsinki zu beachten. Die Standards der Partnerländer müssten respektiert werden.
Die Unit 2 besteht aus 50 Mitgliedern und wird von 400 Wissenschaftlern beraten.

Singh Sandhu, noch Generalsekretär des Indischen Bundesministeriums für Pharmazie verwies auf 80 Kliniken, die in Indien an klinischen Studien arbeiten. Zuständig sei dafür das Nationale Institut für Pharmazie und Forschung. Er machte darauf aufmerksam, dass in Indien derzeit die Gesundheitsausgaben bei fünf bis sechs Prozent lägen und in den nächsten fünf bis sechs Jahren ein System zur Gesundheitsversicherung eingeführt würde.
Shiv Basant, Generalsekretär AYUSH im Gesundheitsministerium Indien sprach über die Verbreitung des Ayurveda in Indien. Allein in diesem Bereich gäbe es fünftausend nach GMP Standards produzierende Einheiten, die jährlich zwei Milliarden Dollar umsetzten. Er erinnerte an die bestehende strategische Partnerschaft zwischen Indien und der EU. Im Ayurveda seinen 500tausend Therapeuten beschäftigt, die eine ein bis eineinhalbjährige Ausbildung absolviert hätten. Es gäbe ein Nationales Heilkräuterinstitut und dreißig föderale Einrichtungen. Martin Terberger forderte eine Präsentation zu einem Medizinprodukt oder den entsprechenden Wirknachweisen, ähnlich wie es auch die anthroposophische Medizin in den Bereichen Lebensmittel und Arznei getan hätte. Nötig sei eine Konzentration auf eine Annäherung, worauf Shiv Basant entgegnete, dass im Verständnis des Ayurveda Lebensmittel Medizin und Medizin Lebensmittel seien.
Ehler machte an dieser Stelle deutlich, dass, je mehr der pharmazeutische Aspekt der Produkte angesprochen würde, dies den damit verbundenen Zulassungsprozess bedinge und am Ende auch seinen Preis hätte.
Der zweite Beitrag zu Ayurveda umfasste Drogen aus multiplen Heilkräutern oder deren Pflanzenteilen. Das Dalmia Center für Forschung und Entwicklung in Indien suche nach einem neuen Forschungsweg in der Biotechnologie, dessen Ansatz das Zusammenwirken aller Teile als eine Ganzheit verstehe, so Dr. P Murali, Mitglied des Direktoriums. Die danach entstehenden Arzneien seien einem standardisierten Herstellungs- und Kontrollprozess, sowie klinischen Studien zu unterziehen, die auch Tierversuche umfassen könnten.
Dem fügte Shiv Basant hinzu, dass alles, was aus Indien in die EU eingeführt würde verlässlich pflanzlich sei, da alle Chargen für den Export den Zollbehörden Kontrollnachweise auf nicht vorhandene Schwermetalle zu erbringen hätten.

Weitere Beiträge widmeten sich dem Problem der Medikamentenfälschung, laut WHO sollen rund 10 Prozent gefälschte Medikamente am Weltmarkt kursieren, sowie der Produktion von Pflegeprodukten in Indien, wonach dem Bundesverband Pharmazeutischer Industrie zufolge zwanzig deutsche Unternehmen solche Produkte dort produzieren ließen. Weit auseinander
gingen die Meinungen bei den Entwicklungskosten für neue Arzneimittel durch forschende pharmazeutische Unternehmen. Während D.G.Shah von der Pharmazeutischen Indischen Allianz die Kosten für innovative Pharmaprodukte, vom Molekül bis zur Marktpräsenz, auf 200 Millionen Dollar bezifferte, bezeichnete Dr. Heinz Hammann von Boehringer Ingelheim. diesen Betrag als viel zu niedrig, da Forschung ein Prozess sei. Hammann forderte die indische Pharmaindustrie dazu auf, sich von einer Kopierindustrie in eine innovative Industrie zu wandeln. Patentrechte schützten die Entwicklung, die Arzneimittelzulassung die Registrierung.

Quelle: Presse Service Ayurveda